Heizweise
Wissen · Heizflächen

Heizkörper richtig dimensionieren

Ein Heizkörper hat keine feste Leistung – sie hängt davon ab, wie warm das Wasser ist. Wer die Vorlauftemperatur senken will, muss wissen, was jeder Heizkörper dann noch schafft.

Warum die Vorlauftemperatur alles entscheidet

Die Leistung im Datenblatt gilt für 75 °C Vorlauf, 65 °C Rücklauf und 20 °C im Raum. Eine Wärmepumpe arbeitet aber am liebsten mit 35 bis 55 °C. Mit kühlerem Wasser gibt derselbe Heizkörper deutlich weniger Wärme ab – und zwar nicht gleichmäßig, sondern überproportional.

Vorlauf / Rücklauftypisch fürLeistung
75 / 65 °CNormangabe im Datenblatt1.500 W
70 / 55 °Calter Kessel1.203 W
55 / 45 °CWärmepumpe mit Heizkörpern766 W
45 / 35 °CWärmepumpe, sehr effizient445 W

Derselbe Heizkörper leistet bei 55/45 also nur noch gut die Hälfte, bei 45/35 weniger als ein Drittel. „Der war doch immer groß genug“ stimmt – für 70 °C.

So wird umgerechnet

Φ = ΦNorm · (ΔT / ΔTNorm)n
  • ΔT ist die mittlere Übertemperatur des Heizkörpers gegenüber dem Raum – gerechnet logarithmisch nach DIN EN 442, nicht als einfacher Mittelwert.
  • n ist der Heizkörperexponent: rund 1,3 bei Plattenheizkörpern, je nach Bauart etwas anders.
  • Ein wärmerer Raum (Bad mit 24 °C) senkt die Leistung zusätzlich, eine Nische oder Verkleidung ebenfalls.

Richtig dimensionieren in drei Schritten

  1. Raumheizlast kennen. Ohne sie ist jede Heizkörpergröße geraten. So rechnet die App die Heizlast
  2. Vorhandene Heizkörper prüfen. Bauart, Höhe, Länge oder die Normleistung aus dem Datenblatt – die App rechnet die Leistung für deine Wunschtemperatur und zeigt je Raum, welche Vorlauftemperatur er wirklich braucht.
  3. Nur tauschen, was nötig ist. Oft bremsen zwei, drei Räume das ganze Haus aus. Die App schlägt für diese Räume passende Heizkörper vor und erstellt die Stückliste.

Der Hebel: Die Vorlauftemperatur des ganzen Hauses richtet sich nach dem schwächsten Raum. Wer dort den Heizkörper vergrößert, senkt sie für alle – und jedes Grad weniger macht die Wärmepumpe sparsamer.

Typische Fehler

  • Nach Gefühl oder Quadratmetern auslegen. 100 W/m² passt für kaum ein Haus – ein Eckzimmer mit drei Außenwänden braucht ein Vielfaches vom innenliegenden Flur.
  • Nur die Normleistung vergleichen. Zwei Heizkörper mit gleichen 1.500 W im Datenblatt verhalten sich bei 45 °C unterschiedlich, wenn ihr Exponent verschieden ist.
  • Alles tauschen. Meist unnötig und teuer. Erst rechnen, dann gezielt tauschen.
  • Den Abgleich vergessen. Ein größerer Heizkörper ohne passenden Durchfluss bringt wenig. Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B

Grenzen: Die App rechnet mit Tabellenwerten gängiger Bauarten oder mit der Normleistung aus dem Datenblatt. Für die endgültige Auswahl zählt das Datenblatt des Herstellers – und ein prüfender Blick vor Ort auf Anschlüsse, Nischen und Platz.

Weiter: Hilfe und Wissen · Förderung im Überblick